Hypnotherapie

Klinische Hypnose, Hypnotherapie, Hypnose-Therapie

Was ist Hypnotherapie?

Klinische Hypnose, Hypnotherapie oder Hypnose-Therapie sind drei gebräuchliche Begriffe, die eine bewährte, wirksame und wissenschaftlich anerkannte Therapieform bezeichnen. Sie wird zu den Kurzzeittherapien gezählt, da in der Regel nur wenige Therapiesitzungen erforderlich sind, um die Symptome psychischer Erkrankungen und seelischer Leiden zu lindern.

Bei diesem psychotherapeutischen Verfahren wird eine gezielt herbeigeführte hypnotische Trance als veränderter Bewusstseinszustand genutzt, um problematische Verhaltensweisen, Gedanken und Gefühle zu verändern, emotional belastende Ereignisse und Empfindungen umzustrukturieren und biologische Veränderungen für Heilungsprozesse zu fördern.

Hypnotische Trance, kurz Hypnose, ist ein Zustand zwischen Schlaf und Wachbewusstsein. Charakteristisch für diesen Bewusstseinszustand ist die Fokussierung der Wahrnehmung. Hypnose ist ein gelöster, entspannter und angstfreier Zustand, der mit einer veränderten Selbstwahrnehmung, gesteigerter Kreativität und Fantasie sowie einem verbesserten Vorstellungsvermögen verbunden ist.

Für das Verständnis der Wirkung von Hypnose sind die beiden Instanzen Wachbewusstsein und das Unbewusste, auch als Unterbewusstsein bezeichnet, wichtig. Zusammen bilden sie das Bewusstsein des Menschen.

Im Bereich des Wachbewusstseins – dem immer zugänglichen Teil unseres Bewusstseins, wenn wir wach sind – befinden sich der Wille, die Logik und der kritische Verstand sowie das Kurzzeit- oder Alltagsgedächtnis.

Das Unterbewusstsein – der verborgene, geschützte Teil unseres Bewusstseins – ist die Quelle unserer Gefühle, Grundüberzeugungen bzw. Glaubenssätze und Gewohnheiten sowie von Teilen unseres Langzeitgedächtnisses. Außerdem beeinflusst es über das vegetative Nervensystem unsere Körperfunktionen.

Im Unterbewusstsein liegen die Ursachen für viele psychische Probleme und körperliche Beschwerden und Krankheiten, aber auch ein schier unerschöpfliches Reservoir an wertvollen Ressourcen des Menschen – wie ein großer Schatz an Edelsteinen.

Die Hypnotherapie basiert auf der Grundannahme, dass das Unterbewusstsein des Patienten Ressourcen und Lösungen für seine Probleme bereithält. Um tief verwurzelte Probleme zu lösen und die verborgenen Potenziale eines Menschen zu erschließen, brauchen wir also einen Zugang zum Unterbewusstsein. Diesen erhalten wir mit Hilfe der Hypnose, die eine unmittelbare und direkte Kommunikation und Arbeit mit Anteilen des Unterbewusstseins ermöglicht.

Missverständnisse über Hypnose und Trance

Es gibt viele Missverständnisse über Hypnose und Trance und auch Unsicherheiten, die manchmal eine erfolgreiche Hypnotherapie erschweren. Sie sind entstanden, weil Hypnose und Trance beliebte Themen in Filmen und Büchern sind. Sie dienen dort dazu, Geschichten inhaltlich anzureichern und zusätzliche Spannung zu erzeugen – müssen dafür aber verzerrt dargestellt werden. Im Folgenden sollen einige dieser Missverständnisse aufgegriffen und richtiggestellt sowie mögliche offene Fragen beantwortet werden.

Ja, die Hypnose ist als wirksame Therapieform anerkannt. In Deutschland wurde die Wirksamkeit der therapeutischen Hypnose im Jahr 2006 vom „Wissenschaftlichen Beirat Psychotherapie“ anerkannt. Die Anerkennung basiert auf einer umfangreichen Metastudie von Prof. Dr. Revenstorf von der Universität Tübingen, die bereits im Jahr 2003 den damaligen Forschungsstand zur Wirksamkeit von Hypnose in der Psychotherapie zusammenfasste.

Hypnose wird in verschiedenen Bereichen der Psychotherapie, Medizin und Zahnmedizin erfolgreich eingesetzt und ist besonders wirksam bei der Behandlung von Phobien, Panikattacken, Depressionen, Schmerzkontrolle, Schlafstörungen und vielen anderen Störungen.

Es gibt zahlreiche Studien, die die Wirksamkeit von Hypnose bei der Bewältigung vieler psychischer und physischer Probleme belegen.

In den USA wurde die Hypnose bereits im Jahr 1955 von der „American Medical Association“ als Therapieform anerkannt. Diese Anerkennung war ein wichtiger Schritt für die Hypnotherapie und trug dazu bei, sie als seriöse Behandlungsmethode in der Medizin und Psychotherapie zu etablieren. In Großbritannien erfolgte die Anerkennung kurz darauf im Jahr 1958.

In den USA und Australien ist auch die „forensische Hypnose“ zur Beweiserhebung vor Gericht zugelassen. Dabei werden Erinnerungen aufgedeckt, denen sich die Zeugen nicht bewusst sind. Unser Unterbewusstsein kann sich oft nach langer Zeit an kleinste Details erinnern. In Deutschland ist dies wegen der Möglichkeit des „False Memory Syndroms“ nicht erlaubt.

Natürlich nicht. Auch wenn Hypnose bei bestimmten psychischen Erkrankungen sehr wirksam und damit hilfreich sein kann, ist sie kein Wundermittel.

Je nach Krankheitsbild wird sie als Kerntherapie oder als Ergänzung zu anderen Behandlungsformen eingesetzt.

Jeder, der es will und der bereit ist, sich führen zu lassen und den Instruktionen zu folgen.

Je mehr Sie loslassen können, je ausgeprägter Ihre Vorstellungskraft ist und je besser Sie sich konzentrieren können, desto schneller gelangen Sie in den Trancezustand. Andernfalls dauert es einfach nur etwas länger.

Hypnose ist Teamarbeit zwischen Patienten und Hypnotiseur.

Nein, ganz im Gegenteil. Selbstvertrauen und Willensstärke ermöglichen es Ihnen, loszulassen und sich auf die Hypnose und den Zustand der Trance einzulassen.

Nein, während und nach der Trance sind Sie sogar leistungsfähiger und mental stärker.

Ihr Verstand macht während der Hypnose nur das, was er immer macht. Und jeder Mensch ist mehrmals am Tag – meist unbemerkt – in Trance, um besondere Leistungen zu erbringen. Der Unterschied ist nur, dass Sie in der Hypnose gezielt und bewusst in den Trancezustand gehen.

Nein, Trance ist kein Zustand der Willenlosigkeit. Es setzt immer Ihr Einverständnis voraus, dass Sie durch Hypnose in einen Trancezustand versetzt werden. Nur wer hypnotisiert werden will, kann auch hypnotisiert werden.

Hypnose ist keine Unterwerfung. Ihnen wird nichts genommen, z.B. Ihr Bewusstsein. Im Gegenteil: Während der Hypnose haben Sie Zugang zu Ihrem „Unterbewusstsein“ und den darin enthaltenen Ressourcen, Talenten und Fähigkeiten.

Nein, es ist seit Jahrzehnten wissenschaftlich erwiesen, dass auch in tiefer Trance nur solche Suggestionen angenommen werden, die im Einklang mit dem eigenen Wertesystem stehen. Sie werden also nichts tun, was Sie nicht auch ohne Hypnose tun würden.

Milton Erickson – einer der bekanntesten und renommiertesten Hypnosetherapeuten und Experte auf dem Gebiet der Hypnoseforschung – hat 800 Experimente durchgeführt, in denen er besonders gut hypnotisierbaren Menschen Suggestionen vermittelte, die kriminelles, unmoralisches, asoziales oder selbstzerstörerisches Verhalten auslösen sollten. Dies ist in keinem Fall gelungen. Es gibt auch keinen dokumentierten Fall von Missbrauch.

Sie werden nichts sagen, was Sie nicht sagen wollen.

Auch in Trance kann man lügen. Deshalb kann Hypnose bei Verdächtigen nicht zur Wahrheitsfindung vor Gericht eingesetzt werden.

Hypnose wird seit Jahrtausenden praktiziert und ist seit Jahrhunderten dokumentiert. Es gibt keinen dokumentierten Fall, in dem jemand nicht aus der Trance „erwacht“ wäre.

Dies gilt sowohl für Hypnose durch einen Hypnotiseur als auch für die Selbsthypnose.

Nein, Sie sind bei Bewusstsein und wissen jederzeit, was vor sich geht. Sie sind wach und ansprechbar. Sie können sprechen und sich bewegen.

Es gibt sogar eine Form der Hypnose, die mit höchster körperlicher Aktivität verbunden ist, die „Aktiv-Wach-Hypnose“. Sie wird zum Beispiel im Leistungssport zur Leistungssteigerung eingesetzt.

Hypnotiseure verwenden jedoch gerne den Begriff „Schlaf“, weil er das Phänomen der Tiefenentspannung in der Hypnose gut vermittelt. Die Suggestion „Schlaf“ gibt dem „Unterbewusstsein“ ein gutes Bild von dem, was geschehen wird.

Manchmal erinnert man sich jedoch nicht an bestimmte Inhalte während der Hypnose. Dies ist jedoch keine Bewusstlosigkeit, sondern eine Art Amnesie, eine Gedächtnislücke. Sie kann spontan auftreten oder suggeriert werden. Es ist das gleiche Phänomen, wie wenn man sich nach einer Autofahrt oder einer Joggingrunde nicht mehr an bestimmte Streckenabschnitte erinnern kann.

Aufgrund des Ausbleibens der oben genannten Phänomene haben Menschen nach einer Sitzung oft das Gefühl, gar nicht in Trance gewesen zu sein. Man ist eben nicht bewusstlos oder schläft.

Deshalb werden in die Hypnose in der Regel Tests eingebaut, so genannte „Convincer“, die es ermöglichen, im Nachhinein zu erkennen, dass man in Trance war.

Der Trancezustand ist nichts Besonderes. Er ist sehr vertraut, jeder kennt ihn. Man steht, sitzt oder liegt in der Regel einfach nur entspannt da.

Machen Sie sich während der Hypnose keine Gedanken darüber, ob Sie in Trance sind. Sie werden nach der Hypnose wissen, dass Sie in Trance waren, weil Sie Erfahrungen machen, die nur in Hypnose möglich sind. Dafür gibt es zum einen die erwähnten Tests oder Convincer, vor allem aber werden Sie die heilsame Wirkung von Hypnose erfahren.

Bei welchen psychischen Beschwerden ist Hypnotherapie indiziert?

Hypnotherapie ist eine sinnvolle Option bei Beschwerden und Symptomen, bei denen die Ursachen der Erkrankung oder die notwendigen Ressourcen des Patienten im Unterbewusstsein liegen.

Behandlungsschwerpunkte der Hypnotherapie sind

  • Ängste und Phobien, zu denen neben Ängsten vor Gegenständen oder Lebewesen auch Unsicherheit, mangelndes Selbstvertrauen und Versagensängste gehören sowie die Angst, im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu stehen oder von anderen bewertet zu werden,
  • traumatische Erlebnisse, die Ursache verschiedener psychischer Störungen sein und zu Beeinträchtigungen bei der Bewältigung des Alltags führen können,
  • depressive Erkrankungen, die mit Traurigkeit, Melancholie, Müdigkeit, Interessen- oder Freudlosigkeit und einem geringen Selbstwertgefühl einhergehen,
  • dysfunktionale Verhaltensweisen, die zu Beziehungsstörungen sowie Selbst- und Fremdgefährdung führen können,
  • psychosomatische Erkrankungen, insbesondere die Linderung oder Beseitigung von Schmerzen sowie
  • Schlafstörungen, die von quälender Müdigkeit, gedrückter Stimmung, Konzentrationsstörungen und Reizbarkeit begleitet werden.

Daneben gibt es die „Klassiker“ der Hypnotherapie, die Raucherentwöhnung und die Gewichtsreduktion. Entgegen der landläufigen Meinung handelt es sich bei Nikotin- und Esssucht um ernsthafte psychische Erkrankungen, die eine intensive psychotherapeutische Behandlung, zum Beispiel mittels Hypnose, erfordern.

Ziele und Nutzen der Hypnotherapie

Es gibt zwei Seiten der Hypnotherapie: eine Problemlösungsseite und eine Entwicklungsseite.

Problemlösung

Auf der Seite der Problemlösung löst Hypnose unbewusste Blockaden und innerpsychische Konflikte. Diese werden oft durch traumatische Erlebnisse oder ausgeprägte Traumata in der Vergangenheit – manchmal in der Kindheit – verursacht. Unbewusst wiederkehrende, belastende Verhaltensweisen – oft in Form von störungsaufrechterhaltenden Wiederholungszwängen – werden aufgegeben und durch zielführende, gesunde Alternativen ersetzt.

Diese Variante der Hypnotherapie wird auch Hypnoanalyse genannt. Sie kombiniert Hypnose und Psychoanalyse und wird manchmal etwas plakativ als “Kronjuwel der Hypnose” bezeichnet. Die Behandlung besteht im Wesentlichen darin, die der Symptomatik zugrunde liegenden verdrängten traumatischen Erlebnisse aufzuspüren (zu erinnern), zu bearbeiten und die aus diesen Erlebnissen resultierenden negativen Gefühle (Angst, Trauer, Einsamkeit, Wut, Hass etc.) und einschränkenden Überzeugungen (ich bin nichts wert, ich werde es nie zu etwas bringen etc.) zu reduzieren.

In der Hypnoanalyse werden die folgenden Erinnerungen aufgedeckt:

  • ISE (Initial Sensitizing Event): Das Ereignis, bei dem die dem Problem zugrunde liegenden (verdrängten) Emotionen und die in dieser Situation entstandenen Überzeugungen zum ersten Mal auftraten.
  • SSE (Subsequent Sensitizing Events): Die nachfolgenden Ereignisse, die zu einer Verstärkung der zugrunde liegenden Emotion und der damit verbundenen Überzeugungen geführt haben.
  • FSE (Final Sensitizing Event): Das letzte dieser kritischen Ereignisse, das häufig symptomauslösend wirkte.

Entwicklung

Auf der Entwicklungsseite geht es darum, mit Hilfe der Hypnose tief im Unterbewusstsein verankerte Ressourcen zu entdecken und zu aktivieren, um verborgene Potenziale unserer Patientinnen und Patienten zu erschließen und für die Heilung nutzbar zu machen.

Nicht selten umfasst eine Hypnotherapie beide Seiten, um eine größtmögliche Linderung und Heilung des seelischen Leidens zu erreichen. Darüber hinaus eignet sich die Hypnose hervorragend, um sie im Sinne einer integrierten Psychotherapie mit anderen Therapieformen zu kombinieren, um die Wirksamkeit insgesamt zu erhöhen. Insbesondere im Rahmen der Verhaltenstherapie und der Traumatherapie hat sich die Ergänzung durch Hypnose bewährt.

Vorgehen bei einer Hypnotherapie

Erstgespräch

In einem Erstgespräch lernen wir uns kennen. Wir prüfen gemeinsam, ob Hypnose für Ihre Situation und Ihre Beschwerden das richtige Therapieverfahren sein könnte. Und wir besprechen alle Ihre Fragen zur Hypnose und zu einer möglichen Zusammenarbeit.

Wenn es uns in diesem Erstgespräch sinnvoll erscheint und Sie es wünschen, führen wir auch eine kurze Entspannungshypnose durch.

Diagnostik

Hypnotherapie ist eine Heilbehandlung und erfordert wie alle Psychotherapieverfahren eine gründliche Diagnostik. Dabei wird die Art Ihrer psychischen Belastung und Ihrer psychischen Symptome festgestellt und geprüft, ob die Hypnotherapie geeignet ist, die Heilung der zugrunde liegenden psychischen Erkrankung zu fördern. Oder ob ein anderes Therapieverfahren besser geeignet ist.

Hypnotherapie

In einer Reihe von Hypnosesitzungen bearbeiten wir Ihre Themen, d.h. wir lösen Blockaden und innerpsychische Konflikte oder aktivieren Ihre Ressourcen.

Selbsthypnose

In geeigneten Fällen führen Sie im Anschluss an die Behandlung in unserer Praxis die Therapie eigenverantwortlich mit Hilfe von Selbsthypnosen fort.

In diesen Fällen vermitteln wir Ihnen im Rahmen der Hypnotherapie die Fähigkeit zur Selbsthypnose. Und wir erarbeiten gemeinsam mit Ihnen gezielte Suggestionen, die die von Ihnen gewünschten Verhaltensweisen dauerhaft in Ihnen verankern.

Hypnotherapie – Face-to-Face und Online?

Wir führen Hypnose meist im persönlichen Kontakt in unserer Praxis in Siegen durch. Vorbereitende oder ergänzende Sitzungen können aber auch online durchgeführt werden, siehe hierzu: Videosprechstunde

Honorar

Hypnotherapie gehört zu den klassischen Therapieverfahren zur Heilung seelischer Leiden. Hier finden Sie alle Informationen zum Honorar für Heilbehandlungen: Termine und Preise

Vereinbaren Sie ein kostenloses Erstgespräch, um mehr über Hypnose zu erfahren und gemeinsam mit uns zu klären, ob diese Therapieform für Ihr Anliegen geeignet ist:

Online-Terminbuchung für ein Erstgespräch (Hypnotherapie)

Wenn es uns in diesem Erstgespräch sinnvoll erscheint und Sie es wünschen, führen wir auch eine kurze Entspannungshypnose durch.